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Sie haben keinen Kompass
Edathy kritisiert Kurs der Regierung
/ Oliver Gaedtke wird neuer Kassierer
STADTHAGEN (nb). Gleich
zwei Referenten haben den Mitgliedern des SPD-Stadtverbandes
auf der Hauptversammlung im Gasthaus Bruns ihre Einschätzungen
zu aktuellen politischen Lage geliefert. Sebastian Edathy
berichtete über die Entwicklungen des Gesundheitssystem
und wagte einige Zukunftsprognosen. Den Kurs der schwarz-gelben
Koalition kritisierte er dabei offen. "Das Problem
der Regierung ist, dass sie keinen Kompass haben",
so Edathy. Das Programm sei eine Verabschiedung aus der
Solidargesellschaft, die Verantwortlichen betrieben Klientelpolitik.
Der Entwurf für den Haushalt schone Starke und belaste
Schwache und bestehe aus Kürzungen im Sozialbereich,
wobei er insbesondere auf die Beitragsproblematik der gesetzlichen
Krankenkassen einging. Neben Problemen der gesetzlichen
Pflegeversicherungen prognostizierte der Bundestagsabgeordnete
eine allgemeine Anhebung des Beitragssatzes um 0,6 Prozent
zum Jahresbeginn, was einer Belastung der Versicherten von
30 Euro entspreche. Landratskandidat Jörg Farr bezog
sich in seinem Vortrag vorrangig auf die politischen Probleme
der Kreisebene. Er ging auf die Wirtschaftsförderung
ein und betonte die Wichtigkeit von "Bestandspflege"
im Bezug auf die bereits bestehenden Arbeitgeber. Mittelstand
und Handwerk seien in Schaumburg die größten
Arbeitgeber, die es im Investitionsbereich zu fördern
gilt. Wichtig sei die Zahl der neu geschaffenen und erhaltenen
Arbeitsplätze. Gegenüber einer möglichen
Kreisreform äußerte sich Farr kritisch und bezog
sich dabei auf das "Hesse-Gutachten", das für
19 Kreise Stabilisierungsbedarf angibt. Unter Berücksichtigung
der Struktur des Landkreises Schaumburg komme für ihn
keine der möglichen Kreis- und Regionsreformen in Frage.
"Schaumburg würde nie zu den Profitierenden gehören."
Es würde sich in einem neuen Gebilde verlieren, was
deutliche Einbußen in der Lebensqualität der
Bewohner zur Folge hätte. Darüber hinaus müsste
das von der Landesregierung gestellten Aufgabenspektrum
zu bewältigen sein. Karsten Becker berichtete seitens
der Ratsfraktion über Erfolge und Aufgaben. Mit den
bisher ergriffenen Maßnahmen im Bereich Hochwasserschutz
gab er sich zufrieden. In Sachen Integration verwies er
auf den Umbau zweier Grundschulen zur Ganztagsgrundschule
mit dementsprechend erweiterten Betreuungsmöglichkeiten.
Becker betonte die Bedeutung der Bildung für den Integrationsprozess
und kam dabei auf die vieldiskutierten Thesen Thilo Sarrazins
zu sprechen. Der habe keinen Beitrag geleistet. "Er
legt bewusst eine falsche Fährte." Und weiter:
"Das ist schon bösartig." Für die geplante
Abschaffung der Gewerbesteuer hatte Becker klare Worte übrig:
"Wenn wir die abschaffen, werden wir wesentliche Einbrüche
in den kommunalen Finanzen haben." Die angeboten Ausgleichsmöglchkeiten
bezeichnete er als "völlig untauglich". Zum
Abschluss verabschiedeten die SPD-Mitglieder im Hinblick
auf die Massenentlassung bei Faurecia einen Initiativantrag
an die SPD-Landtagsfraktion. Demnach solle künftig
darauf geachtet werden, an die Vergabe von Forschungsgeldern
die Bedingung der Arbeitsplatzsicherung zu knüpfen.
Auch innerhalb des Stadtverbandes gab es eine Neuerung:
Oliver Gaedtke wurde zum Kassierer gewählt und übernimmt
damit die Nachfolge von Andreas Riehl, der sein Amt zur
Verfügung gestellt hatte
Schaumburger Wochenblatt 13.10.10
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