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Stephan Weil, Heidemarie Hanauske von der Awo, Schaumburgs SPD-Chef Karsten Becker, Jörg Farr und Rodenbergs SPD-Vorsitzender Hans-Dieter BrandKandidat will sich nicht auf Etikettenschwindel einlassen
Die Kommunen brauchen mehr Mitspracherecht bei der Schulpolitik und Strukturen zur Förderung von Familien. Das jedenfalls meinen Landratskandidat Jörg Farr und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil. Bei der SPD-Veranstaltung „Gute Nachbarn: Gute Schule, Gute Sozialpolitik“ im Rodenberger „Ratskeller“ sprachen sie sich für verbindliche Ganztagsschulen und die Freiheit zur Einrichtung von Integrierten Gesamtschulen aus. Kritik an der Landespolitik wurde nicht nur wegen der rigiden Vorgaben geübt, sondern auch wegen mangelnder Finanzierung und Lehrerstunden.


Rodenberg (bab). Die Referenten sind sich einig, dass frühkindliche und schulische Bildung die wichtigste Prävention von sozialen Fehlentwicklungen sind. Die Integration unterschiedlichster sozialer Gruppen müsse über Kommunen und Schulen zur Partizipation des Einzelnen beitragen. „Wir haben eine Gesellschaft, die durch hohes Maß an Ungleichheit geprägt ist“, sagte Weil. An der Kinderarmut könne die Kommune nichts ändern. „Es gibt aber auch eine Teilhabearmut. Da sind Rathäuser und Kreishäuser aufgerufen.“

Während Weil mit Beispielen aus Hannover die heterogenen Voraussetzungen von Familien veranschaulichte, konzentrierte sich Farr auf die Schaumburger Rahmenbedingungen. Es ärgert den Landratskandidaten, dass durch den Zwang zur Fünfzügigkeit der IGS die Schulen erweitert werden müssen, während andernorts „Leerstände produziert werden“. Der Kreis als Schulträger investiere nicht nur Millionen in die Gebäude, sondern zahle auch 85 000 Euro für die Unterstützung der Nachmittagsangebote.

Verbindliche Ganztagsangebote, Schulsozialarbeit und integrative Beschulung hält Farr für ebenso wichtig wie den Erhalt der Tagesstätten und ein möglichst breit gefächertes berufsbildendes Angebot. Auf „Etikettenschwindel“ will er sich bei der Einrichtung der zwei geforderten Gesamtschulen in Rinteln und Lindhorst nicht einlassen, wenn das Land „eine Art KGS-Lösung“ vorschlagen will.
Die Entscheidung zu den IGS hätte nach Farrs Ansicht vom Land längst gefällt werden müssen. Er mutmaßt, dass die Landesregierung mit Rücksicht auf den CDU-Landratskandidaten noch nicht reagiert habe.

Bei der anschließenden Diskussion im gut gefüllten Saal tauchte die Frage auf, inwieweit die Bestimmungen der Landesregierung zur Fünfzügigkeit eigentlich in die kommunale Selbstverwaltung des Schulträgers eingreifen. Darüber solle man in der Tat nachdenken, meinte Weil. Auch für Farr ist die juristische Grundlage fragwürdig. „Das ist ja unser Argument: Wo ist eigentlich die gesetzliche Grundlage?“

Schaumburger Nachricthen - online 22.10.10 | Foto:bab

 

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