| Kandidat
will sich nicht auf Etikettenschwindel einlassen
Die Kommunen brauchen mehr Mitspracherecht bei der Schulpolitik
und Strukturen zur Förderung von Familien. Das jedenfalls
meinen Landratskandidat Jörg Farr und Hannovers Oberbürgermeister
Stephan Weil. Bei der SPD-Veranstaltung „Gute Nachbarn:
Gute Schule, Gute Sozialpolitik“ im Rodenberger „Ratskeller“
sprachen sie sich für verbindliche Ganztagsschulen
und die Freiheit zur Einrichtung von Integrierten Gesamtschulen
aus. Kritik an der Landespolitik wurde nicht nur wegen der
rigiden Vorgaben geübt, sondern auch wegen mangelnder
Finanzierung und Lehrerstunden.
Rodenberg (bab). Die Referenten sind sich einig, dass frühkindliche
und schulische Bildung die wichtigste Prävention von
sozialen Fehlentwicklungen sind. Die Integration unterschiedlichster
sozialer Gruppen müsse über Kommunen und Schulen
zur Partizipation des Einzelnen beitragen. „Wir haben
eine Gesellschaft, die durch hohes Maß an Ungleichheit
geprägt ist“, sagte Weil. An der Kinderarmut
könne die Kommune nichts ändern. „Es gibt
aber auch eine Teilhabearmut. Da sind Rathäuser und
Kreishäuser aufgerufen.“
Während Weil mit Beispielen aus Hannover die heterogenen
Voraussetzungen von Familien veranschaulichte, konzentrierte
sich Farr auf die Schaumburger Rahmenbedingungen. Es ärgert
den Landratskandidaten, dass durch den Zwang zur Fünfzügigkeit
der IGS die Schulen erweitert werden müssen, während
andernorts „Leerstände produziert werden“.
Der Kreis als Schulträger investiere nicht nur Millionen
in die Gebäude, sondern zahle auch 85 000 Euro für
die Unterstützung der Nachmittagsangebote.
Verbindliche Ganztagsangebote, Schulsozialarbeit und integrative
Beschulung hält Farr für ebenso wichtig wie den
Erhalt der Tagesstätten und ein möglichst breit
gefächertes berufsbildendes Angebot. Auf „Etikettenschwindel“
will er sich bei der Einrichtung der zwei geforderten Gesamtschulen
in Rinteln und Lindhorst nicht einlassen, wenn das Land
„eine Art KGS-Lösung“ vorschlagen will.
Die Entscheidung zu den IGS hätte nach Farrs Ansicht
vom Land längst gefällt werden müssen. Er
mutmaßt, dass die Landesregierung mit Rücksicht
auf den CDU-Landratskandidaten noch nicht reagiert habe.
Bei der anschließenden Diskussion im gut gefüllten
Saal tauchte die Frage auf, inwieweit die Bestimmungen der
Landesregierung zur Fünfzügigkeit eigentlich in
die kommunale Selbstverwaltung des Schulträgers eingreifen.
Darüber solle man in der Tat nachdenken, meinte Weil.
Auch für Farr ist die juristische Grundlage fragwürdig.
„Das ist ja unser Argument: Wo ist eigentlich die
gesetzliche Grundlage?“
Schaumburger Nachricthen - online
22.10.10 | Foto:bab
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